Wunschkaiserschnitt: Gründe für eine selbstbestimmte Entscheidung

Im Laufe der Jahre und der Arbeit mit Schwangeren habe ich verschiedenste Gründe für einen selbst gewählen – einen elektiven – Kaiserschnitt ohne medizinische Indikation kennengelernt. In diesem Beitrag möchte ich einige davon nennen. Auf dass jene, denen es ähnlich geht, wissen, dass sie nicht allein sind mit ihren Beweggründen.

1. Traumatische vorherige Geburt

Viele Schwangere, die sich für einen Wunschkaiserschnitt entscheiden, haben bereits eine traumatische Geburtserfahrung hinter sich. Das kann eine natürliche, vaginale Geburt gewesen sein, die schwierig oder negativ verlaufen ist, oder eine Geburt, die zwar physiologisch begonnen hat, aber in einen Kaiserschnitt mündete. Solche traumatischen Erlebnisse hinterlassen tiefe Spuren, und die Betroffenen suchen nach einem Weg, diese nicht erneut durchleben zu müssen.

Fact-Check: Laut verschiedenen Quellen liegt die Häufigkeit der Traumatisierung bei Geburten je nach Studie zwischen 10 und 30 Prozent. Hier wird eine Häufigkeit von 20% angegeben. Das bedeutet, von 5 Frauen erlebt eine die Geburt als traumatisch.

2. Kontrolle über den Geburtsprozess

Für viele Schwangere ist es entscheidend, die Kontrolle über den Zeitpunkt und den Ablauf der Geburt zu haben. Dies kann verschiedene Gründe haben, wie vorherige traumatische Geburtserlebnisse, andere traumatische Erfahrungen, oder Lebensumstände, die ein hohes Maß an Planung und Sicherheit erfordern. Ein Beispiel aus meiner Praxis: Eine Frau, deren Mann für die Regierung arbeitet und die bereits zwei kleine Kinder hatte, entschied sich für einen Kaiserschnitt, weil sie sich im Ausland befand und kaum Unterstützung hatte. Die planbare Natur eines Kaiserschnitts gab ihr die notwendige Sicherheit.

3. Sorge um die körperliche Unversehrtheit

Ein weiterer wichtiger Grund für einen selbst gewählten Kaiserschnitt bzw. Wunschkaiserschnitt ist die Sorge um die körperliche Unversehrtheit. Auch wenn ein Kaiserschnitt ein großer Eingriff ist, kann er bestimmte physische Belastungen minimieren. Zum Beispiel wird der Beckenboden bei einer Bauchgeburt deutlich weniger beansprucht als bei einer vaginalen Geburt. Zudem werden Verletzungen im Intimbereich, wie Damm- und Scheidenrisse, vermieden, die sowohl kurzfristig als auch langfristig erhebliche Probleme verursachen können. Durch einen Kaiserschnitt lässt sich das Risiko bestimmter Arten von Inkontinenz und Organsenkungen minimieren.

4. Vermeidung unkontrollierter Interventionen

Ein geplanter Kaiserschnitt minimiert das Risiko unvorhergesehener Eingriffe während der Geburt. Obwohl der Kaiserschnitt selbst eine Intervention darstellt, erfolgt dieser kontrolliert und ohne Überraschungen, was sowohl mentale als auch physische Traumatisierungen reduzieren kann.

5. Vorherige Operationen oder Krankheiten

Bestimmte vorherige Operationen oder bestehende Krankheiten können ebenfalls ein Grund für die Entscheidung zu einem Kaiserschnitt sein. Diese Faktoren können die Belastung bei einer vaginalen Geburt erhöhen und in Kombination mit einem möglicherweise schwierigen Geburtsverlauf schwerwiegende Folgen haben.

6. Sexueller Missbrauch in der Vergangenheit

Gebärende, die sexuellen Missbrauch erlebt haben, können bei der Vorstellung einer vaginalen Geburt große Ängste und Unbehagen empfinden. Eine vaginale Geburt könnte retraumatisierend wirken oder einfach ungewollt sein. Daher ist es besonders wichtig, den Wunsch nach einem Kaiserschnitt in solchen Fällen zu respektieren, ohne dass die Betroffenen ihre Gründe im Detail erklären müssen.

7. Psychische Krankheiten

Psychische Erkrankungen können ebenfalls ein Grund sein, warum sich Gebärende für einen Kaiserschnitt entscheiden. In einigen Fällen empfehlen sogar Psychiater oder Psychotherapeuten einen Kaiserschnitt, um die mentale Gesundheit der Mutter zu schützen. Leider wird dies noch zu selten vorgeschlagen, möglicherweise aufgrund der Polarisierung des Themas Kaiserschnitt und der Romantisierung der vaginalen Geburt.

8. Kulturelle oder religiöse Gründe

Auch kulturelle oder religiöse Werte können die Wahl des Geburtsmodus beeinflussen. In einigen Kulturen oder Religionsgemeinschaften gibt es spezifische Vorstellungen darüber, wie eine Geburt verlaufen sollte, die einen Kaiserschnitt bevorzugen lassen.

9. Tokophobie (Angst vor der Geburt)

Tokophobie, die extreme Angst vor der Geburt, ist ein ernst zu nehmender Grund für die Wahl eines Kaiserschnitts. Diese Angst geht weit über die normale Nervosität hinaus und kann das Wohlbefinden der Gebärenden erheblich beeinträchtigen.

Freie Wahl des Kaiserschnitts

Es ist wichtig zu verstehen, dass in Deutschland und Österreich kein verbrieftes Recht auf einen Wunschkaiserschnitt besteht (Stand Juli 2024). Krankenhäuser sind nicht verpflichtet, einen Kaiserschnitt ohne medizinische Grundlage durchzuführen. Das bedeutet, dass Schwangere gute Argumente vorbringen müssen, um ihre Entscheidung zu untermauern. Oftmals reicht es jedoch, wenn sie sich als informierte Patientin präsentieren und nachvollziehbare Gründe nennen können.

Vorbereitung auf den Wunschkaiserschnitt

Wenn du dich für einen geplanten Kaiserschnitt entscheidest, ist eine gründliche Vorbereitung wichtig, um viele Nachteile abzumildern und sie zu einem langfristig positiven Erlebnis zu machen. Darum habe ich den ersten und bis jetzt einzigen Online-Kaiserschnitt-Geburtsvorbereitungskurs entwickelt.

Dort enthalten ist auch der Leitfaden „Wunschkaiserschnitt“, in welchem du umfassende Informationen und praktische Tipps findest. Zum Beispiel wird die Frage der Kostenübernahme geklärt, du erfährst, wie du deinen Wunsch in der Klinik durchsetzen und was du tun kannst, wenn dein Kaiserschnittwunsch abgelehnt wird. Der Kurs hilft dir, dich selbstsicher und gut informiert zu fühlen, sodass du deine Entscheidung mit Überzeugung vertreten kannst. Außerdem bereitet er sich vollumfänglich auf den Kaiserschnitt vor, hilft dir, wichtige Entscheidungen zu treffen und Aspekte zu bedenken, die unvorbereiteten Menschen leider viele Nachteile bescheren.

Ich wünsche dir in jedem Fall eine wundervolle Bauchgeburt und schau gerne auf Instagram @bauchgeburt vorbei.

Alles Liebe,
Petra Burger

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